Interview mit anonymisierter Facebook Mitarbeiterin über Facebook Privatsphäre etc.

Dieses Interview habe ich auf einer Internetseite gefunden – wie ich meine sehr interessante Aussagen, soferne die alle stimmen.
Man kann leicht als „anonymisierter Facebook Mitarbeiter“ irgendwelche Dinge posten.
Die Aussagen hören sich für mich allerdings plausibel an…aber lest selbst, hier einige Passagen aus dem (übersetzten) Interview, den Link zum Original bzw. der übersetzten Version findet Ihr unten:

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Die Webseite The Rumpus hat ein sehr interessantes Interview mit einer (anonymisierten) Mitarbeiterin von Facebook geführt. Hier ist die deutsche Übersetzung nach bestem Wissen und Gewissen:

The Rumpus: Auf euren Servern, speichert ihr da alles, was jemals in Facebook eingegeben wurde? Egal, ob es gelöscht wurde oder nicht?

Facebook Mitarbeiterin: Das ist im Kern richtig, ja. Der einzige Grund das zu ändern wären Performanceprobleme. Immer wenn du auf Facebook etwas machst, speichern wir das, ob du nun ein Foto hochlädst, dir ein Profil anschaust, deinen Status oder deine Profilinformationen veränderst…

Rumpus: Wenn Du sagst “ein Profil anschaust”, meinst du damit die gesamte Besucherhistorie?

Mitarbeiterin: Genau. Was glaubst du denn, wie wir sonst wissen könnten, wer dein bester Freund auf Facebook ist? Aber das ist ja auch kein Geheimnis, wir haben mehrfach öffentlich gesagt, dass wir diese Daten sammeln. Wenn du zum Beispiele die Suche benutzt und „A“ oder einen anderen Buchstaben drückst, erscheint eine Vorschlagsliste mit deinen besten Freunden. Diese ist nicht alphabetisch sortiert, sondern schlägt dir die Freunde vor, mit denen du am ehesten interagierst. Also deine besten Freunde, oder zumindest die, von denen wir denken, dass sie deine besten Freunde sind.

Rumpus: In anderen Worten die Person, die ich am ehesten stalke?

Mitarbeiterin: Nein, es ist weit mehr als das. Auch Nachrichten, Links, Fotos, in denen du markiert bist und natürlich die Profilaufrufe, all das fließt auch mit ein. Im Wesentlichen urteilen wir darüber, wie gut ihr miteinander befreundet seid.

[…]

Rumpus: Also kann ich Facebook komplett zu einem bestimmten Zeitpunkt betrachten?

Mitarbeiterin: Es geht um viel mehr als nur die Betrachtung, es sind ja auch sämtliche Daten hinter den Seiten. Wenn wir zum Beispiel deine Fotos speichern, behalten wir nicht nur das Original. Wir erstellen sechs verschiedene Versionen und laden diese dann alle hoch.[…] Unterschiedliche Größen für den Nachrichtenverlauf, das Profilbild…

Rumpus: Und das liegt alles auf den Servern in deinem Büro?

Mitarbeiterin: Nein nein, natürlich nicht in unseren Büros. Wir haben Datencenter auf dem gesamten Globus. […] Und in jedem dieser Center stehen durchschnittlich 5000 bis 8000 Server und im Grunde genommen sind überall dieselben Daten gespeichert.

Rumpus: Und wie viele Nutzer könnt ihr aktuell verzeichnen?

Mitarbeiterin: Auf die man öffentlich zugreifen kann? Etwa 200 bis 220 Millionen.[…] das sind ja nur die aktiven Nutzer. Alle zusammen, zuzüglich der toten Konten, Fakes usw. sind wir bei über 300 Millionen Nutzern. Die 200 bis 220 Millionen haben sich innerhalb der letzten 30 Tage eingeloggt und waren auf Facebook aktiv.


Rumpus: Du sagtest, dass Facebook die Strategie sämtliche Informationen zu speichern ändern wird?

Mitarbeiterin: Nein. Diese Strategie wird niemals aufgegeben werden, wir werden auch weiterhin alles sammeln. Was ich damit meinte: Wenn wir überhaupt anfangen etwas zu ändern, dann werden wir sicher bei den Fotos beginnen. Immerhin haben wir die größte Fotodatenbank der Welt.

Rumpus: Ernsthaft?

Mitarbeiterin: Ich habe keine genauen Daten im Kopf, aber ich möchte behaupten, dass wir mehr als eine Billion (1.000.000.000.000) Fotos
haben, und dann erinnere Dich an die jeweils sechs Kopien. Das ist der Inbegriff der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Immerhin müssen wir eine Webseite in einer halben Sekunde laden und ganz plötzlich – denk an den Newsfeed – mehrere tausend Bilder finden. Das ist echt keine leichte Aufgabe.

Rumpus: Du hattest einmal ein Masterpasswort erwähnt, welches du nun nicht mehr nutzt.

Mitarbeiterin: Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, wann das Masterpasswort abgeschafft wurde, aber wir hatten eines, mit dem man sich mit jeder User-ID einloggen konnte. […] Das war wirklich faszinierend!

Rumpus: Und das konnte jeder Facebook-Mitarbeiter nutzen?

Mitarbeiterin: Technisch gesehen schon. Aber es war schon auf die ursprünglichen Entwickler beschränkt – das waren auch die Einzigen, die von der Existenz wussten. Aus anderen Bereichen, wie zum Beispiel HR, hat sich niemand damit in fremde Profile eingeloggt. Das Masterpasswort wurde aus technischen Gründen geschaffen. Aber es gab es und jeder Mitarbeiter hätte es finden können, wenn er gewusst hätte, wo er suchen muss.
Ich muss aber noch hinzufügen, dass dieses Masterpasswort natürlich auch nur intern funktionierte. Also von einer Schule oder Bibliothek hatte man keinen Zugriff, man musste über unseren Zugang im Facebook-Büro online sein.

Rumpus: Glaubst du, dass Facebook-Mitarbeiter jemals das Privileg des allumfassenden Zugangs missbraucht haben?

Mitarbeiterin: Ich weiß, dass das in der Vergangenheit passierte, denn mindestens zwei Leute wurden deshalb gefeuert.

Rumpus: Was genau haben sie getan?

Mitarbeiterin: Bei einem weiß ich, dass er in einem fremden Profil persönliche Daten manipuliert hat, wechselte die religiösen Ansichten oder so etwas. Ich weiß nicht ganz genau, was es war, aber er wurde erwischt und gefeuert.

Rumpus: Hast du dich jemals in einen fremden Account eingeloggt?

Mitarbeiterin: Ja, das habe ich aus technischen Gründen.

Rumpus: Und jemals außerhalb von beruflichen Gründen?

Mitarbeiterin: Ich muss gestehen: als ich hier neu war, ja! Ich hab es benutzt um Profile anzuschauen, auf die ich mit meinem eigenen Account keinen Zugriff hatte. Ich habe aber niemals irgendwelche Daten verändert. Wie auch immer, ich habe das Recht andere Profile zu durchstöbern anfänglich missbraucht.

[…]

Rumpus: Würdest du davon ausgehen, dass Facebook-Mitarbeiter die Privatnachrichten der Nutzer lesen?

Mitarbeiterin: Also die Sache ist – und ich weiß nicht, wie viel du darüber weißt – alles ist in einer Datenbank im Backend gespeichert. Buchstäblich alles. Deine Nachrichten, egal ob gelöscht oder nicht, sind in unserer Datenbank. Ich kann also einfach eine Datenbankabfrage starten und mir alles ansehen, ohne mich in deinen Account einzuloggen. Das ist der Punkt, den die meisten Leute nicht verstehen.

Rumpus: Also ist dieses Masterpasswort schnurzpiepegal!?

Mitarbeiterin: Japp.

Rumpus: Es ging also nur um die Art des Zugriffs.

Mitarbeiterin: Richtig. Aber es wird ja auch nicht mehr genutzt. Wie ich bereits erwähnte, haben wir es kürzlich abgeschafft, aber durch ein richtig cooles Tool ersetzt. Wenn ich jetzt also dein Profil besuche, von unserem eigenen Netzwerk aus wohlgemerkt, dann habe ich ein „Switch Login“-Button. Diesen klicke ich dann einfach an und gebe kurz zu Protokoll, warum ich du sein will. Dann klicke ich „Ok“ und schon bin ich du. Das kann man solange machen, wie man eine vernünftige Begründung dafür hat. Wenn ich zum Beispiel einen gemeldeten Account überwache, muss ich dazu in der Lage sein mich in diesen einzuloggen.

Rumpus: Und deine Chefs kontrollieren auch jedes Mal, wenn du dich als jemand anderes eingeloggt hast?

Mitarbeiterin: Nein das nicht, aber wenn Du gefragt wirst, solltest du besser eine plausible Erklärung haben, oder du wirst gefeuert.

[…]

Rumpus: Gut, aber was sagst du zu den letzten beiden Geschichten, Facebook Beacon und die “Terms of Service“-Diskussion?

Mitarbeiterin: Es ist schwer einzuschätzen, wie die Nutzer auf neue Dinge reagieren. Wir sind in Sachen Beta-Testsystem einfach noch nicht gut genug. Wenn eine Gruppe von 20 Entwicklern an einem Projekt arbeitet, dann halten sie es für das tollste und einwandfreiste Feature der Welt und bauen es sofort. , Der Projektmanager nickt die Sache nur noch ab. Ursprünglich ging es sofort live, wenn das der Fall war. Mochten die User das neue Feature aber nicht, wurde es einfach wieder zurückgenommen. Das war eben unsere Strategie: „Trial and Error“. Heutzutage fangen wir erst mit psychologischen Analysen an, lassen dann…

Rumpus: Ernsthaft?

Mitarbeiterin: Ja logisch, ist das so überraschend? Wir nutzen “eye-tracking” um zu erfassen, wohin die Augen sehen, wenn du auf Facebook surfst.

[…]

Rumpus: Welches Nutzerverhalten wird denn noch so mitgespeichert, ohne dass es offensichtlich für den User ist?

Mitarbeiterin: Wir speichern alles. Jeder Bildaufruf, jede Person mit der du in Verbindung gebracht wirst, jeden Eintrag den du schreibst.

Rumpus: Vielleicht weißt du es schon, aber vielleicht auch nicht: Es gibt ein Paradoxon mit der Internationalisierung in der Webindustrie. Alle Unternehmen wollen die gesamte Welt als Markt erschließen und gehen dabei in Länder, die noch gar keine oder eine schlechte Infrastruktur haben, so zum Beispiel die Länder der Dritten Welt. Also müssen die Unternehmen nicht nur den Service, sondern auch die Infrastruktur bereitstellen. Dabei liefern diese Länder gar kein (oder nur sehr wenig) Umsatz.

Mitarbeiterin: Ich weiß leider noch nicht alles über diese Thematik, aber lass mich eins dazu sagen: Es ist ganz sicher, dass wir mit der Expansion weiter voran schreiten. Nimm doch den Iran. […] Innerhalb von 36 Stunden wurde die komplette Seite öffentlich in Farsi übersetzt. Das war erst unsere zweite, seitenverkehrte Sprache und nach wie vor eine riesige Herausforderung. Die Seite wurde buchstäblich einmal komplett gespiegelt. Die Tatsache, dass wir das in 36 Stunden geschafft haben – dafür wurden 20 schrullige Übersetzer angeheuert und die Entwickler arbeiteten rund um die Uhr – ist immer noch einfach phänomenal. Nach dem Farsi-Release hatten wir mindestens dreimal so viele Neuregistrierungen pro Tag als noch zuvor. Und wir wachsen weiter!

[…]

Rumpus: Und was war das Bizarrste?

Mitarbeiterin: Ich habe einen Fakeaccount gefunden, der Informationen und Profilbild von dem Bruder eines sehr guten Freundes geklaut hat. Wir haben uns dann das Profil von dem Typen angesehen, der den Fakeaccount erstellt hat, aber er war ihm total unbekannt. Es war wohl so, dass er eine Freundschaftseinladung von ihm erhalten hat und diese leider annahm. Daraufhin wurden alle Informationen und Bilder geklaut und dieser Fakeaccount erstellt. Damit schrieb er dann auf die Seiten von anderen Nutzern, versendete Nachrichten und kommunizierte sogar vom Fakeprofil mit dem eigenen. Wir haben herausgefunden, dass der Typ über 15 Fakeaccounts hatte. Allesamt zusammengeklaut und scheinbar nur dazu da, mit seinem eigenen Profil in Verbindung zu treten und so als cool zu erscheinen.

[…]

Rumpus: Erzähl mir etwas über die Entwickler.

Mitarbeiterin: Das sind ulkige Typen, aber verdammt clever. Da ist zum Beispiel dieser Typ, der im Alleingang den gesamten Code neu schreibt. Unsere Seite ist zu 90% in PHP geschrieben. Auch das Frontend, einfach alles was du siehst ist PHP. Und dieser Typ entwickelt gerade HPHP, Hyper-PHP (Anmerkung von Bernhard Dengler: in der Endversion heißt es HipHop-PHP), was bedeutet, dass er die gesamte Programmiersprache neu schreibt.
Es gibt Unterschiede zwischen gescripteten Sprachen und kompilierten Programmiersprachen. […] Aber mit einer kompilierten Programmiersprache ist das Programm in einer ausführbaren Datei (z.B. *.exe) enthalten. Es besteht aus vielen kleinen Teilen und wird nicht in der Reihenfolge Anfang-Ende ausgeführt. Deshalb sind kompilierte Dateien um einiges schneller.
[…] Wie auch immer, wenn du nun hingehst und mit ihm über Basketball reden willst, erlebst du wahrscheinlich die schwerfälligste Unterhaltung deines Lebens. Du kannst mit diesen Leuten einfach keinen Smalltalk führen. […]

Rumpus: Was wäre der Effekt, wenn Facebook mit Hyper-PHP läuft?

Mitarbeiterin: Wir würden die CPU-Auslastung auf unseren Servern um 80% reduzieren. Die User würden die Seite noch schneller erleben und mit einem Fünftel der bisherigen Ladezeit surfen. (Anmerkung von Bernhard Dengler: tatsächlich beträgt der Geschwindigkeitsgewinn laut Facebook Entwickler ca. 50%)
[…]

Rumpus: Wo kommen diese Nerds überhaupt her?

Mitarbeiterin: Ich würde sagen 70% der Facebook-Entwickler kommen von Harvard und Stanford.

[…]

Rumpus: Wie hat der kürzliche Umzug das Unternehmen beeinflusst?

Mitarbeiterin: Facebook ist kürzlich in den Stanford Research Park gezogen, das ist dort, wo HP früher begonnen hat. Zuvor hatten wir sieben oder acht Büros in der Innenstadt.

Rumpus: Hat sich nach dem Umzug die Atmosphäre in der Firma geändert?

Mitarbeiterin: Es war sehr nett nun endlich mal alle in einem Büro zu haben. Zuvor waren alle Meetings sehr umständlich für die meisten Leute. Ich meine, die Entwicklungsabteilung war in drei Büros geteilt. Das war sehr ärgerlich. Jetzt gibt es mehr Kommunikation und Zusammenhalt, es fühlt sich einfach auch besser an. […] Es interessiert niemanden, was, wo, wie, wann und wie lang, solange du dein Zeug erledigt bekommst. Wenn du in einer Bar arbeiten willst, im Park, auf dem Dach, es ist total egal, mach einfach nur deinen Job! […]

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Originalartikel: http://therumpus.net/2010/01/conversations-about-the-internet-5-anonymous-facebook-employee/?full=yes

Übersetzung von www.elcario.de (Link zum übersetzten Artikel)

Über bedengler

Programmierer, Multimedia Entwickler, Geschäftsführer, DJ und Technikfreak...

Veröffentlicht am 14. Juni 2010 in Soziale Netzwerke und mit , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 8 Kommentare.

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