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Registrierkassenpflicht in Österreich

Sie war und ist in aller Munde: die Registrierkassenpflicht in Österreich. Jede Branche ist davon betroffen und viele Unternehmer sind von der „Zwangsbeglückung“ angefressen. Sie müssen nun investieren. Und zwar Zeit, Geld und Nerven.
Wir haben mit der Web-Kasse versucht, unseren Beitrag zu leisten, das Leben vieler Unternehmer vielleicht doch etwas leichter zu machen, als sie es befürchten.

Wer braucht eine Registrierkasse?

Das ist relativ einfach: jeder Unternehmer, der mit seinem Unternehmen mehr als 15.000 Euro Umsatz hat UND 7.500 Bar-Umsatz (Achtung: beide Kriterien müssen erfüllt sein).
Sprich: haben Sie 20.000 Euro Umsatz, davon 5.000 Bar-Umsatz benötigen Sie KEINE Registrierkasse.
Ebenso benötigen Sie KEINE Registrierkasse bei 14.000 Euro Umsatz , davon 8.000 Euro Bar-Umsatz.
Haben Sie z.B. 20.000 Euro Umsatz, davon 8.000 Bar-Umsatz, benötigen Sie eine Registrierkasse

Wie kommen Sie schnell an eine Lösung?

Wir haben uns den Markt angesehen und festgestellt, dass es eigentlich nur Lösungen gibt, die sehr umfangreich und komplex in der Bedienung sind.
Oftmals – die Rückmeldungen bestätigen uns – suchen die Unternehmer allerdings eine Lösung, die sowohl einfach im Umfang als auch einfach in der Bedienung ist.

Und genau für diese Unternehmer haben wir die innovative Web-Kasse entwickelt, eine Online-Registrierkasse.

Die Web-Kasse ist mit jedem Browser sehr einfach bedienbar (auf Tablet, Apple, Laptop, PC, iOS, Android, Windows) und bietet doch alles, was kleine Firmen brauchen. Geeignet für: Autohändler, Gastronomie, Heuriger, Massage & Beauty, Ärzte, Handel, Markthändler uvm.

Sie erfüllt alle gesetzlichen Anforderungen 2016 UND 2017 (Manipulationsschutz).

Gerne finden wir gemeinsam mit Ihnen auch die entsprechende Hardware (z.B. Tablet, Bondrucker) dazu, um Ihnen einen günstigen Einstieg in die Welt der Registrierkassen zu ermöglichen.
Melden Sie sich einfach unverbindlich an und probieren Sie es selbst: www.web-kasse.at

Wenn Sie noch Fragen haben (egal welcher Art die Registrierkassenpflicht betreffend), oder ein individuelles Angebot möchten, schreiben Sie mir doch einfach eine Nachricht an: himself@bedengler.com – ich beantworte gerne Ihre Fragen

Hier noch ein paar weitere Ressourcen und Links die Registrierkassenpflicht in Österreich betreffend:

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Stundensatzkalkulation: „Den Preis kann ich doch nicht verlangen!“

Ich habe kürzlich einen guten Artikel empfohlen bekommen, der sich mit der Stundensatzkalkulation für Freiberufler und Selbständige (EPU) beschäftigt.
Ich selbst habe den Artikel Freunden, Familie und Bekannten weiterempfohlen. Einige davon reagierten prompt mit der Antwort: „Diesen Stundensatz muss man erstmal am Markt durchsetzen. Das kann ich doch nicht verlangen. Das zahlt kein Mensch.“.

Das hat mich irgendwie schockiert. Denn entweder sind diese Leute Masochisten, Träumer, einfach nur nicht geeignet für die Selbständigkeit. Oder ich liege mit meiner Meinung falsch!?

Also dachte ich mir: ich analysiere das mal genauer. Lesen Sie später mehr dazu. Zunächst hier der Artikel von Lambert Schuster, um den es geht: HIER KLICKEN

Prinzipiell ist der Artikel für den deutschen Markt geschrieben, lässt sich vom Prinzip her allerdings auch auf Österreich umlegen. Dann allerdings mit ein bisschen anderen Zahlen (Mwst., Sozialversicherung etc.).

Ich rechne hier nur mit ungefähren Zahlen und ohne Mwst!

Der Soll-Stundensatz

Laut o.g. Artikel arbeiten Freiberufler im Schnitt 11,7 Tage pro Monat (à 8 Std.) und müssen dabei einen Monatsumsatz von ca. 6.000€ exkl. Mwst. (inkl. Fixkosten etc.) erwirtschaften, um Gewinn zu machen.
Grundlage der Berechnung ist ein BRUTTO-Gehalt von 3.800€/Monat.

Hier werden viele wieder schreien: UNREALISTISCH!

Ok ok liebe Nicht-Sager, dann lasst uns einfach mal von etwas weniger ausgehen…

Sehen wir nach, ob es realistisch ist

Achtung: ich brauche jetzt Ihre volle Konzentration!

Setzen wir das Ganze etwas niedriger an. Wir gehen von 2.500€ Bruttogehalt pro Monat aus. Damit kann man leben. Zwar ohne große Sprünge, aber ok.
Achtung: BRUTTO, d.h. es bleiben NETTO lt. Online-Brutto-Netto-Rechner ca. 1.600€ von den 2.500€ für einen Arbeiter/Angestellten übrig.

Das dafür allerdings 14 mal / Jahr. Womit wir, umgelegt auf einen Selbständigen, bei einem „Jahresgewinn“ von ca. 24.000€ sind (siehe Grafik).

Bildschirmfoto 2015-03-29 um 14.11.44

Das wiederum zurückgerechnet aufs Monat ergibt 2.000€.
Achtung: NACH Abzug der Einkommenssteuer und Sozialversicherung. D.h. das muss hier noch dazuaddiert werden.

Sind Sie noch fit?
Jetzt gehts ans Eingemachte. Wenn Ihnen das zuviel ist, lesen Sie einfach am Schluss des Absatzes weiter.

An die Sozialversicherung (SV) müssen wir ca. 25% abführen. Einkommenssteuer (Est) bewegt sich in dem Gehalts-Bereich bei ca. 30%.
SV wird VOR Abzug der Est. berechnet. Somit sieht die Rechnung folgendermaßen aus:

   Netto-Umsatz (=exkl. Mwst.)
– Kosten
Zwischensumme 1

SV-Berechnung:
   Zwischensumme 1 x 0,25 -> Zwischensumme 2

Est Berechnung:
Zwischensumme 2 x 0,30 -> Zwischensumme 3 = 2.000€ (siehe oben)

Wir rechnen nun zurück. Wir können nicht einfach zu den 2.000€ z.B. 30% Est. dazuaddieren. Wir müssen uns fragen: „Welcher Betrag abzgl. 30% ergibt 2.000€?“.

Betrag – Betrag x 0,3 = 2.000

Analog die Sozialversicherung. Ich möchte hier nicht großartig in die Mathematik abschweifen (ihr Kopf raucht wahrscheinlich schon).

Rechnet man alles wie beschrieben zurück, kommt man auf eine Summe (oben „Zwischensumme 1“) von ca. 3.800€ (zufällig die gleichen 3.800€ aus dem o.g. Artikel, hier allerdings schon inkl. SV).

Wir nehmen dazu noch Fixkosten von 1.500 Euro pro Monat, kommen also auf eine zu erwirtschaftende Summe von 5.300€ exkl. Mwst pro Monat.

PUH! Nehmen Sie sich eine kurze Auszeit für einen Apfel. Der regt die Gehirnzellen an 😉
Denn wir haben jetzt erstmal nur die Basis.

Stundensatz errechnen

Wenn ich nun diese Zahl in das Beispiel von Lambert Schuster’s Artikel (siehe oben) einsetze (11,7 Tage Arbeit / Monat à 8 Std.), kommen wir auf einen Stundensatz von ca. 57€ bzw. einen Tagessatz von ca. 456€.

Wohl gemerkt: wir verdienen damit nur 1.500 Euro pro Monat! Wem das reicht, der muss diesen Stundensatz verlangen. Wer mehr will, entsprechend mehr.

„Das kann ich am Markt nicht verlangen“

Ich höre sie schon wieder, die Nicht-Sager.

Es ist für mich von der Herangehensweise vergleichbar mit Facebook & Co: es gibt Leute, die posten einfach jeden Scheiß, weil sie nicht wissen, was mit ihren Daten möglich ist. Ich würde das „unwissend“ oder „naiv“ nennen.
Genauso sehe ich das mit dem Stundensatz: man muss ihn sich durchkalkulieren (und zwar realistisch) und kann danach immer noch entscheiden ob man sich selbst versklavt oder auch ein Leben möchte.

Angenommen, es bekommt jemand heraus, er muss 60€/Std. verlangen um bei einem vernünftigen Maß an Arbeit Gewinn zu machen (und zwar mindestens soviel wie ein Arbeiter).
Wenn er sich nun denkt „das kann ich nicht verlangen“ und für 35€ arbeitet, macht er es zumindest in vollem Bewusstsein, dass er nie und nimmer Geld verdienen kann mit seiner Arbeit.

Sagt er sich dann: „Ok, dann arbeite ich mehr“, dann muss er das auch realistisch betrachten. Denn 8 Std. / Tag, 5 Tage die Woche arbeitet KEIN Freiberufler mit voller Bezahlung(!).
Und wenn, dann nur über einen kurzen Zeitraum (intensive Phasen). Langfristig machen Sie sich damit selbst kaputt. Somit ist das kontraproduktiv.

Wir reden hier von vom Kunden bezahlter Arbeit, d.h. NICHT von Buchhaltung, Networking, Imagepflege, Produktentwicklung, Werbungsaufwand, Koordination, Reisen etc.
Alles Dinge, mit denen sich Unternehmer genauso beschäftigen müssen, die aber keinen direkten Umsatz liefern und verursachen, dass ein Selbständiger trotzdem 40, 50 oder gar 60 Std. pro Woche arbeitet.

Finde Gründe, weshalb es bezahlt wird!

Eine Möglichkeit, mit niedrigem Stundensatz und wenig Arbeit guten Gewinn zu machen, ist es, seine eigene Arbeitskraft zu multiplizieren. D.h. andere Leute zu beschäftigen, denen weniger zu zahlen, als sie dann weiterverrechnen.

Beispiel: jeder Arbeiter, den du beauftragst bringt dir 10 Euro / Std. Beauftragst du 10 Arbeiter, hast du z.B. 2 Std. für Koordination von denen gearbeitet und dafür 100 Euro verdient. In entsprechenden Dimensionen kann man hier gutes Geld mit vergleichsweise wenig Arbeit verdienen. Immer unter der Voraussetzung, dass die Arbeiter für VIEL weniger Geld arbeiten, als unser Kunde bereit ist, pro Std. zu zahlen.

Eine USP herauszuarbeiten und Gründe zu finden, weshalb die Leute gerade DIR mehr zahlen, ist eine andere Möglichkeit.

Wenn ich ein z.B. Grafiker wie jeder andere bin und einfach mein Handwerk gut mache, bin ich austauschbar. Wenn ich mir durch meine Kreativität, Qualität, Verlässlichkeit etc. ein Image aufbaue, dass mich die Leute unbedingt wollen, kann ich auch entsprechende Stundensätze verlangen und die werden auch bezahlt.

Es gibt genügend Webdesigner, die für 35€ oder von mir aus 60€ die Std. arbeiten.
Und dann gibt es solche, die verlangen 100€ (und mehr) und haben trotzdem so viele Aufträge, dass sie voll mit Arbeit sind.

Die Aussage „Das wird ja nicht bezahlt“ ist für mich somit zu einfach gedacht. Wer so denkt, ist meiner Meinung nach kein Unternehmer, sondern nur ein Sklave seiner selbst (ich hoffe, ich trete hier niemandem zu nahe).
Unternehmer haben Visionen, Weitblick und FINDEN Wege, wie das bezahlt wird, was sie denken, dass ihr Produkt wert ist.

Eine andere Sache ist es natürlich, wenn sie ihr eigenes Produkt nicht wertschätzen (= es nicht besserstellen, als andere Produkte, die es sowieso schon gibt).
D.h. wenn Sie nicht mal selbst wissen, was so besonders an Ihnen / Ihrem Unternehmen / Ihrem Produkt ist.

Das sollten Sie dann schleunigst ändern!

Fazit

Es ist für jeden Unternehmer / jede Unternehmerin wichtig, sich einen Stundensatz durchzukalkulieren.

Oftmals haben viele Selbständige aber Angst davor oder vergleichen Stundensätze eines Arbeiters DIREKT mit denen eines Selbständigen. Das ist allerdings leider so wie mit den berühmten Äpfel und Birnen.

Sich zurückzulehnen oder den Kopf in den Sand zu stecken mit dem Argument „Das zahlt keiner“ ist engstirnig und keinem Unternehmer würdig.

Und hier schließt sich der Kreis zu meiner Aussage: denn entweder sind die „Das zahlt Keiner“-Sager Masochisten, Träumer oder einfach nur nicht geeignet für die Selbständigkeit.

Rechnen Sie es sich wie im Artikel von Lambert Schuster bzw. in meinem Blogeintrag oben durch. Und FINDEN Sie Wege, wie Ihre Arbeit auch von Ihren Kunden wertgeschätzt und entsprechend entlohnt wird.

Kunde zahlt nicht…

In letzter Zeit berichten mir immer wieder Unternehmer ihr Leid: der Kunde zahlt nicht. Ich habe es auch leider schon einige Male selbst erlebt, wenn Kunden nicht zahlen. Man bekommt hier die haarsträubendsten Geschichten und Gründe geliefert.

Doch was kann man als Unternehmer dagegen tun? Wie kann man es vermeiden, dass man auf seinen Kosten sitzenbleibt?

Ich möchte dir hier meine Erfahrungen und meine Lehren, die ich daraus gezogen habe vermitteln. Damit du es vermeiden kannst, in die Situation zu kommen, dass Kunden nicht zahlen und du nichts dagegen unternehmen kannst.
Oder zumindest rechtlich so abgesichert bist, dass du deine Forderungen erfolgreich gerichtlich einklagen kannst.

E-Mail als Auftragsbestätigung

Grundsätzlich ist eine e-mail soweit rechtsverbindlich wie eine mündliche Zusagen oder schriftliche Erklärungen. (1) (2)

In jedem Fall bringt sie im Falle einer Verhandlung (oder wenn der Kunde etwas bestreitet) den Kunden doch in Erklärungsbedarf.

Noch besser wäre es, wenn die e-mail digital signiert ist. Ich habe keinen Anwalt dazu konsultiert, aber Recherchen im Internet haben ergeben, dass das dann auch rechtlich verbindlich ist. Siehe (2)

D.h. wenn du eine Auftragsbestätigung hast (= „Bitte setzen Sie das Projekt wie telefonisch, schriftlich etc. vereinbart um“), dann wird es für den Kunden schwierig, dagegen zu argumentieren (außer er behauptet, du hast die e-mail gefälscht).

So hast du Chancen, zumindest einen Teil des Geldes zu sehen (da er nicht zufrieden ist, könnte er Nachbesserung oder Preisminderung fordern, wodurch die Rechnung gemindert wird).

D.h. e-mail ist ok, aber als PDF und oder Brief wäre besser.

Zunächst Zahlungserinnerung / Mahnung

Grundsätzlich gilt: kein Inkasso wird ohne Mahnung durchgeführt. Von daher sende zuerst mal eine Mahnung an den Kunden.
Die kann etwa so formuliert sein:

Lieber Kunde, eine Mahnung sollte kurz, freundlich und erfolgreich sein. Kurz ist sie. Wir erinnern Sie hiermit freundlich an die Zahlung von xxx Euro aus unserer Rechnung yyy. Und ob sie nun erfolgreich ist, hängt von Ihnen ab. Bitte begleichen Sie sie bis tt.mm.jjjj

Mahnspesen können ab der ersten Mahnung verrechnet werden.
Ich selbst frage bevor ich eine Mahnung rausschicke mal telefonisch nach, wie es mit der Rechnung aussieht und bis wann die beglichen wird (Kunde soll Datum nennen).
Dann bekommt man schon ein Gefühl dafür, wie es denn nun weitergeht.

Und wenn er dann bis zu dem Zeitpunkt nicht zahlt, geht eine Mahnung (inkl. Mahnspesen) raus.

Mahnklage ja oder nein?

Mahnung geschickt, es kommt keine Kohle. Wenn nichts oder nur sehr vage schriftlich vereinbart ist (= gibt es Korrekturdurchgänge, etc.), dann wird es schwierig, deine Forderung durchzusetzen.
Da hilft dann auch keine Mahnklage. Gehen wir aber mal davon aus, dass es eine Auftragsbestätigung gibt.

Ich habe mal Mahnklage eingereicht, da gings um ca. 3.500 Euro (exkl. Mwst.). Kostet erstmal 150 Euro, nur die Mahnklage einzureichen (in Österreich).
Dann kam es zur Verhandlung. Mir wurde Recht gegeben, Zahlungsziel 2 Wochen. 2 Wochen später war die Firma in der Sanierung, 2 Monate später in Konkurs.

Und was hatte ich?
Zusätzlich zu meinem Ausfall hatte ich Software für die besorgt (200), einen Mitarbeiter vor Ort (300) die Mahnklage (150) und da von ihnen nichts zu holen war, blieb ich auch auf den Anwaltskosten sitzen (600) Euro.
D.h. ich habe unabhängig vom Verdienstentgang ca. 1.300 Euro dafür bezahlt(!), dass ich gearbeitet habe.

Eine Mahnklage ist also keine Garantie dafür, dass du dein Geld bekommst, auch wenn du beweisen kannst, dass es einen Auftrag gab und du diesen erfüllt hast.

Inkasso?

Ich habe solche Dinge auch schon versucht mit Inkassofirmen durchzuziehen. Das ist besser, weil du kein finanzielles Risiko hast, aber du musst die richtige Firma finden (über www.inkasso.at war ich mal erfolgreich, über www.dutter.at leider nicht. Bei Dutter hatte ich den Eindruck, die interessiert es auch nicht wirklich, meine Forderung durchzubringen).

Da keine Kosten entstehen, sollte man es jedenfalls mal versuchen. Wenn es nicht durchgeht, kannst du noch immer zum Anwalt gehen (eine Erstberatung ist meist kostenlos).

Anwalt

Ok, wir haben eine wasserdichte Auftragsbestätigung, die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde in Konkurs geht ist gering und ein Inkassobüro war nicht erfolgreich oder kommt nicht in Frage.

Dann gehen wir mal zum Anwalt, Erstgespräche sind meist kostenlos. Auf jeden Fall vorher nachfragen, ob die erste Beratung etwas kostet.

Wenn der Anwalt der Meinung ist, dass Chance auf Erfolg besteht, liefern wir ihm alle Beweise (e-mails, Auftragsbestätigungen, Unterlagen, Gesprächsprotokolle etc.) und machen uns daran Mahnklage einzureichen. Das ist MÜHSAM und zeitintensiv!
Hinweis: alleine die Einreichung der Mahnklage kostet ca. 150 Euro in Österreich.

Anwälte sind geldgeil. D.h. Geld ist Motivation.

Daher mein Rat: beteilige den Anwalt an deinem Erfolg!
Er wird sich mehr hineinhängen in den Fall, wenn er zusätzlich zu seinem Honorar noch einen Bonus bekommt! Richtwert hierfür kann ich keinen nennen, ist Verhandlungssache.

Ich würde ihm mal 80/20 anbieten.
D.h. er bekommt von der eingeklagten Summe 20% (kommt auch auf die Rechnungshöhe an – 20% von 100.000 sind sicher reizvoll für ihn, 20% von 500 Euro eher weniger).

Aber dann bleibt mir doch weniger von meiner Rechnung? …wirst du vielleicht jetzt sagen. Was ist dir lieber? 100% von nichts oder 80% der eingeklagten Summe (+Verzugszinsen, Strafe etc.)?

Ganz wichtig: eine wasserdichte Auftragsbestätigung!

Bedauerlicherweise ist die Handschlagqualität nur mehr ganz selten zu finden. Daher ist es wichtig, auch für kleine Projekte einen klaren Auftrag zu bekommen.

Grundsätzlich solltest du dir daher eine Standard-Auftragsbestätigung zurechtlegen, die dir der Kunde einfach unterschrieben und eingescannt als PDF per e-mail sendet (bzw. noch besser zusätzlich per Post oder persönlich übergeben).

Folgende Punkte sollten in der Auftragsbestätigung angeführt sein:

  • Vollständiger Firmenwortlaut Auftragnehmer
  • Vollständiger Firmenwortlaut Auftraggeber (Achtung: wenn eine Person, muss diese auch berechtigt sein, den Auftrag zu erteilen)
  • (Möglichst genaue) Beschreibung des Projektes
  • Geplanter Zeitpunkt der Fertigstellung des Projektes
  • Was passiert, wenn sich das Projekt verzögert (entweder Fertigstellung vom Auftragnehmer oder z.B. durch zu späte Anlieferung seitens des Auftraggebers von Rohmaterial wie Texte, Bilder etc.). Evtl. Pönalzahlungen oder Puffer einbauen
  • Vereinbarter Preis (Pauschale oder Verrechnung nach Stunden)
  • Evtl. Regelung von Zusatzkosten, die anfallen könnten (etwa wenn der Projektumfang erweitert wird). Textbeispiel: „Es können Zusatzkosten entstehen, wenn der Projektumfang erweitert wird“
  • Anzahl der Korrekturdurchgänge (wenn anwendbar, d.h. wenn z.B. gestalterische Leistung)
  • Zahlungsmodalitäten (z.B. 50% Anzahlung bei Auftragserteilung, Rest nach Fertigstellung des Projektes)
  • Hinweis auf AGB (entweder eigene AGB als Anhang oder allgemeine AGB)
  • Hinweis auf Gerichtsstand
  • Text „Der Auftraggeber beauftragt den Auftragnehmer mit der Umsetzung des o.a. Projektes zu den in diesem Dokument vereinbarten Konditionen.“
  • Datum und Ort der Unterzeichnung
  • Unterschrift des Auftraggebers

Wenn du das erstmal unterschrieben vor dir liegen hast, wird eine Mahnklage nur dann nicht erfolgreich sein, wenn

  1. Du einen oder mehrere Punkte der Auftragsbestätigung nicht erfüllst oder
  2. Der Auftraggeber (Kunde) in Konkurs geht

Verzugszinsen

Laut Wirtschaftskammer heißt es:

Gerät der Schuldner in Zahlungsverzug, so ist der Gläubiger ab dem auf die Fälligkeit folgenden Tag berechtigt, Verzugszinsen in Rechnung zu stellen. Die Höhe der Verzugszinsen hängt davon ab, ob es ein Unternehmer- oder ein Verbrauchergeschäft ist.

Bei Geschäften zwischen Unternehmern beträgt der Verzugszinssatz 9,2%, bei Geschäften mit Verbrauchern 4%.

D.h. im Rahmen der ersten Mahnung können bereits die Verzugszinsen in Rechnung gestellt werden.

Ich selbst habe noch nie Verzugszinsen berechnet (die Berechnung ist mir zu mühsam und wenn sie dann evtl. nicht taggenau stimmt, kann das wieder Probleme verursachen wie Einsprüche etc.).

Nähere Details dazu HIER

Fazit

Mein Weg, wenn Kunden nicht zahlen (nach erfolgter schriftlicher Auftragserteilung) läuft so:

  1. Telefonische und e-mail Nachfrage zur offenen Rechnung
  2. Mahnung (inkl. Mahnspesen)
  3. Inkassobüro beauftragen

Wenn danach noch immer kein Erfolg, entweder (je nach Gefühl / Rechnungssumme)…

  • Zum Anwalt gehen
  • Mahnklage einreichen

…oder

  • Das Ganze als Lehrgeld verbuchen, abhaken, dem Kunden die schlimmsten Dinge wünschen und sich beim Sport abreagieren

Bitte um deinen Kommentar, was du erlebt hast, wie du damit umgehst und ob du evtl. auch andere Lösungen hast